Wie funktioniert Factoring?

Von Factoring spricht man, wenn ein Unternehmer Forderungen gegen seine Kunden an ein spezialisiertes Unternehmen, den sogenannten Factor, verkauft. Oft sind Tochtergesellschaften großer Banken als Factor tätig. Weltweit gibt es mehrere tausend Anbieter für diese umfassende Finanzdienstleistung. Factoring wird nicht nur von Existenzgründern, kleinen und mittleren Unternehmen in Anspruch genommen. Auch große Aktiengesellschaften besinnen sich auf ihre Kernkompetenzen und entscheiden sich für ein teilweises Outsorcing kaufmännischer Verwaltungstätigkeiten. Immobilienbesitzer können im Rahmen des Mietfactorings Mietforderungen verkaufen.

Liquidität und Kapitalausstattung verbessern

Der Factor füllt das Geschäftskonto des Unternehmers sofort nach dem Ankauf der Forderungen mit liquiden Mitteln. Zahlungsfristen, die der Unternehmer mit seinen Kunden vereinbart hat, spielen für den Zahlungszeitpunkt keine Rolle. Die Vertragsgestaltung unterscheidet sich also grundlegend von der eines Inkassobüros, das erst bei Zahlungsverzug beauftragt wird. Beim echten Factoring trägt der Factor auch das Risiko eines Zahlungsausfalls – mit dem Verkauf ist der Unternehmer aus dem Risiko, das er mit der Gewährung eines Lieferantenkredits eingegangen ist. Eine separate Forderungsausfallversicherung (Warenkreditversicherung) ist also nicht mehr nötig. Das Factoring-E-Book von Kreditist nennt wesentliche bilanzielle Vorteile des Factorings: Der Geldeingang führt nicht nur zu höherer Liquidität, sondern verbessert auch die Kapitalausstattung des Unternehmers, da die Forderungen gegen Kunden ausgebucht werden. Das erleichtert eventuell erforderliche Kreditaufnahmen.

Umfang der Dienstleistung genau abwägen

Inwieweit der Unternehmer neben dem eigentlichen Forderungsverkauf weitere Funktionen auf den Factor überträgt, ist eine Frage der Vertragsgestaltung. Grundsätzlich ist es möglich, bereits das Erstellen der Rechnung dem Factor zu überlassen. Das ist konsequent, denn mit dem Forderungsverkauf ist er neuer Gläubiger. Allerdings bedeutet dies die Aufgabe eines wichtigen Kontaktpunkts mit den Kunden. Vielleicht erscheint es diesen unseriös, wenn sie es nach dem Kauf plötzlich mit einem ganz anderen Rechnungsersteller zu tun haben. Zu regeln sind beispielsweise Prozesse bei Reklamationen, Widerruf oder Rücktritt. Und wenn ein Factor gleich mit „harten Bandagen“ gegen säumige Zahler vorgeht, fällt das auf den ursprünglichen Anbieter von Waren oder Dienstleistungen zurück. Eine Alternative ist deshalb Inhouse-Factoring. Hier bleibt die Debitorenbuchhaltung beim Verkäufer der Forderungen.

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