Crowdinvesting in Immobilien

Geldanlagen, die mehr Zinsen bringen, als die Inflation auffrisst, sind rar gesät – vor allem in einer Zeit, in der Banken bereits mit Negativzinsen für hohe Guthaben arbeiten. Aktienmärkte sind zwar auf lange Sicht ertragsstark, bergen aber erhebliche Risiken. Viele Anleger wollen in „Betongold“ ausweichen, also in Immobilien. Für eine eigene Immobilie fehlt aber das Geld, offene Immobilienfonds haben Probleme, nach einer Krise und der Schließung wichtiger Fonds das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Für Neubauten, aber auch für Umbauten, Erweiterungen und Sanierungen von Bestandsimmobilien rückt deshalb die Finanzierung per Crowdinvesting in den Fokus der Projektinitiatoren.

Kurz- und mittelfristige Darlehen

Korrekt müsste man von Crowdlending sprechen, denn es geht nicht um eine unternehmerische Beteiligung an dem Immobilienprojekt, erklärt cloudkredit.com. Die Bauträger wollen vielmehr Geld leihen und dies nach fest vereinbarten Laufzeiten verzinst zurückzahlen. Die versprochenen Renditen sind hoch, bis in den zweistelligen Prozentbereich. Aber genau dies sollte Anlegern auch eine Warnung sein, denn niemand zahlt ohne Not so hohe Zinsen, wenn Immobilienkredite sehr viel günstiger zu bekommen sind. Zinsen sind bekanntlich auch ein Maß für das Risiko der Anlage. Beim Immobilien-Crowdinvesting handelt es sich rechtlich gesehen um sogenannte Nachrangdarlehen mit in der Regel kurzer oder mittlerer Laufzeit. Zur Immobilienfinanzierung wird dagegen standardmäßig ein lang laufender Raten-Kredit verwendet, der durch ein Grundpfandrecht gesichert ist. Grundpfandrechte sind in der Hauptsache Hypothek und Grundschuld. Sie bewirken, dass das Grundstück selbst wie eine Person für die Kreditschulden haftet. In der Praxis betreibt der Gläubiger die Zwangsversteigerung, wenn Tilgung oder Zinszahlungen ausbleiben. Durch eine Beleihungsgrenze von zum Beispiel 70 % des Immobilienwerts stellt er sicher, dass er auch bei einem niedrigen Erlös aus der Versteigerung zu seinem Geld kommt.

Crowdinvesting ersetzt Eigenkapital

Den Betrag oberhalb der Beleihungsgrenze sollte der Bauherr als Eigenkapital beisteuern. Kann er das nicht, ist die Finanzierung problematisch – und genau hier setzt das Crowdfunding von Immobilienprojekten an. Wird der Bau überraschend teurer – keine Seltenheit, wie Großprojekte immer wieder beweisen –, werden die erwarteten Mieteinnahmen nicht erzielt oder muss der Bau zu einem niedrigeren Preis veräußert werden als geplant, geht die Kalkulation nicht auf. Die kreditgebenden Banken haben damit kein Problem, denn notfalls befriedigen sie ihre Ansprüche aus der Zwangsversteigerung. Reicht das Geld nicht, gehen die Investoren mit Nachrangdarlehen aber leer aus.

Schreibe einen Kommentar