Forward-Darlehen – Eine Chance mit Risiko

Zinssicherungen werden immer beliebter. Aufgrund der aktuell günstigen Zinssituation und der ungewissen wirtschaftlichen Zukunft suchen immer mehr Leute nach Möglichkeiten, sich Zinsen für Ihre Finanzierung zu sichern.

Eine mögliche Variante zur Zinssicherung im Rahmen einer Baufinanzierung ist das Forward-Darlehen, welches für eine Umschuldung oder eine Anschlussfinanzierung nach Ablauf eines bestehenden Darlehens genutzt werden kann. Die Besonderheit des Forward-Darlehens besteht darin, dass der Kreditnehmer sich schon mit Abschluss des Darlehens einen Zinssatz sichern kann, auch wenn die Inanspruchnahme des Darlehens erst Monate oder wenige Jahre in der Zukunft liegt. Die Zinssicherheit für die Zukunft muss der Kreditnehmer allerdings in der Form „bezahlen“, dass ein Zinsaufschlag berechnet wird. Der Zinssatz des Forward-Darlehens liegt dann also in der Regel aufgrund des Aufschlages rund 0,5 bis 0,7 Prozent über dem aktuell gültigen Hypothekenzins.

Nicht ganz ohne Risiko

Auf der einen Seite hat man durch den Abschluss des Forward-Darlehens also die Chance, sich einen günstigen Zinssatz für die Zukunft zu sichern. Es besteht auf der anderen Seite aber auch das Risiko, dass man sich im Endeffekt zu teure Zinsen sichert, die unter Umständen deutlich über dem zukünftig aktuelle Hypothekenzinssatz liegen können.

Um durch das Forward-Darlehen einen „Gewinn“ zu erzielen, sollten die Zinsen bis zur Fälligkeit der bisherigen Festzinsvereinbarung mindestens in dem Maße steigen, dass der Anstieg über dem zu zahlenden Zinsaufschlag für das Forward-Darlehen von rund 0,6 Prozent liegt. Denn nur in diesem Falll kann man die Chancen des Forward-Darlehens auch nutzen. Anders sieht es aus, wenn sich die Zinsen zukünftig gegenteilig entwickeln, also fallen oder nur sehr gering steigen. Dann wird das Risiko des Forward-Darlehens deutlich, nämlich dass die Marktzinsen nicht wie angenommen steigen, und das Forward-Darlehen somit für den Kreditnehmer teurer ist, als wenn man erst bei Fälligkeit der jetzigen Festzinsvereinbarung eine neue Vereinbarung zum dann aktuellen Zinssatz treffen würde.

Die aktuelle Situation

Die immer wieder aktuelle Frage, die sich beim Forward-Darlehen stellt ist also, ob die Hypothekenzinsen zukünftig fallen oder steigen werden. Die aktuelle Zinssituation stellt sich so dar, dass die Hypothekenzinsen derzeit auf einem fast historischen Tiefpunkt angelangt sind und seit nunmehr über 15 Jahren fast stetig gefallen sind. Betrug der durchschnittliche Baugeld-Zinssatz Anfang der 90er Jahre noch rund 10 Prozent, so liegt der derzeitige Zinssatz (Stand Januar 2009) bei nur noch rund 4 bis 4,5 Prozent (je nach Festschreibedauer). Nach Meinung vieler Experten werden die Hypothekenzinsen innerhalb der nächsten 1-2 Jahre ansteigen, sodass es sicherlich eine Überlegung wert ist, sich für ein Forward-Darlehen zu entscheiden. Dabei sollte man allerdings unterscheiden, ob die aktuelle Zinsvereinbarung nur noch wenige Monate oder wenige Jahre läuft, denn kurzfristig ist eher nicht von steigenden Zinsen auszugehen.

Gastbeitrag von Oliver Gieseck, Channel Plus Ltd.

1 Kommentar

  1. wagner sagt:

    Ein Forward Darlehen kann auch zur Umschuldung bereits bestehender Kredite genutzt werden. Allerdings fordern die Banken hier für ihre entgangenen Zinsen eine Vorfälligkeitsentschädigung.

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